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  • Entwicklungen in Kirche, Staat und Gesellschaft kritisch aufzugreifen
Sonntagsmatineen stellen den Schwerpunkt des TQT dar; es sind öffentliche Vorträge und Diskussionen mit Expertinnen und Experten, die auch musikalisch begleitet werden. Unsere Absicht ist es, religiöse, theologische und gesellschaftspolitische Entwicklungen in Kirche, Staat und Gesellschaft kritisch aufzugreifen, um den öffentlichen Diskurs im Sinne einer Volksbildung zu fördern.
 
Zu einem "Politischen Gebet" lädt das TQT zweimal im Jahr ein. Wir sehen darin die Möglichkeit, Glaube und politisches Denken und Handeln in einem liturgischen Kontext miteinander zu verbinden.
 
 

25.10.2026

Pfr. Joachim Lenz

Erfahrungen aus dem „Heiligen Land“

Sechs Jahre in Jerusalem, in Israel und Palästina zu leben und zu arbeiten, zu predigen
und zuzuhören, das verschafft einem Eindrücke, die man von Deutschland aus nicht
erlangen kann. Es ist herausfordernd, zu sehen, was geschieht, und in der gebotenen
Zurückhaltung eines Pfarrers und eines Deutschen zu agieren. Der Vortrag versucht, ein
realistisches Bild von der Lage vor und nach dem 7. Oktober 2023 wiederzugeben.
Welche Rolle spielen auf israelischer und auf palästinensischer Seite die radikalen und
gewalttätigen Kräfte? Was können die Frieden-suchenden Leute auf beiden Seiten
bewirken? Wie stellt sich die Lage der christlichen Minderheiten in Israel und in den
palästinensischen Gebieten dar? Pfr. Lenz wird versuchen, aus seiner persönlichen
Erfahrung auf solche Fragen einzugehen.

Pfarrer Joachim Lenz (Jahrgang 1961) war Gemeindepfarrer an der Mosel, später
beim Deutschen Evangelischen Kirchentag und dann bei der Berliner Stadtmission,
bevor er im Jahr 2020 als Propst an die Evangelische Erlöserkirche in Jerusalem
berufen wurde.

20. September 2026

Dr. Clemens Greve, Frankfurt

Hilde Domin: Zivilcourage – Widerstand leisten mit Worten.

Vor 20 Jahren starb die Schriftstellerin Hilde Domin. Zivilcourage ist für Hilde Domin eng
verbunden mit „Mit-Schmerz“ und Solidarität statt Mitläufertum. In ihren Texten betont sie das
„Widerstandleisten der Worte“. Ihr Credo lautete, sich selbst und andere nicht im Stich zu lassen –
eine Haltung, die aus ihrer eigenen Erfahrung als Jüdin im Exil während der NS-Zeit entstand. Sie
schreibt: „Der Mut, den der Lyriker braucht, ist dreierlei Mut, mindestens: der Mut zum Sagen …,
der Mut zum Benennen …, der Mut zum Rufen“. -
Die Aktualität dieser besonderen Frau und ihres
 literarischen Schaffens soll in der Veranstaltung beleuchtet werden.

Clemens Greve, Jg. 1966, Literaturwissenschaftler, und die Dichterin Hilde Domin (1909–2006)
arbeiteten an verschiedenen Projekten zusammen. 1995 gaben sie gemeinsam das Buch „Nachkrieg
und Unfrieden“ heraus, eine Sammlung von Texten, die historische und politische Situationen im
Nachkriegsdeutschland behandeln. Seit über 25 Jahren leitet Greve die Frankfurter Bürgerstiftung.

06. Dezember 2026

Jean Asselborn, Luxemburg

Die Welt 2026: „Europa, zeig dich selbstbewusst!“

Diesen Aufruf verkündete die Deutsche Bischofskonferenz vor dem Europatag 2026. Sie plädierte
für ein wertegeleitetes Handeln der EU nach innen und außen. Ohne Werte sei keine Friedens-,
Freiheits- und Demokratiepolitik möglich und auch nicht die Verteidigung des Völkerrechts.
In der Realität werden jedoch andere Entwicklungen beobachtet: Großmächte (und auch viele
kleinere Staaten) achten weder Werte noch Recht und Gesetz, weder nach außen noch nach innen.
Tut Europa, tut die EU genug dagegen? Oder sind die Europäer dazu verdammt, wegen ihrer
Abhängigkeit in wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht klein beizugeben?
Welche derzeitigen und zukünftigen Perspektiven sieht ein Politiker mit jahrzehntelanger Erfahrung
für Europa und die EU?

Jean Asselborn, Jg. 1949, war von 2004 bis 2013 Vize-Premierminister von Luxemburg sowie von
2004 bis 2023 Außenminister.

10. Januar 2027

Arnd Henze, Köln

„Mit Gott gegen die Demokratie“.
Über die unheilige Allianz von Macht und Religion

Im Bündnis mit dem US-Präsidenten hat sich der christliche Nationalismus zu einer globalen
Bedrohung für Demokratie und Rechtsstaat radikalisiert. Seine Anhänger rufen „Christ is King!"
und wollen Staat und Gesellschaft in eine Theokratie umwandeln. In Donald Trump sehen sie einen
von Gott gesandten Rächer; dessen Kriegsminister inszeniert sich als „Christian Warrrior".

Der Referent zeigt, wie Religion zum Machtinstrument werden kann. Er stellt zentrale Akteure vor,
erklärt ihre Strategien, untersucht, wie sie sich global vernetzen und fragt, welche Lehren aus der
Vergangenheit heute weiterhelfen. Sein Ausblick bleibt hoffnungsvoll, denn wer die Mechanismen
versteht, mit denen Religion zur politischen Waffe wird, kann sich wehren. Widerstehen ist
möglich!

Arnd Henze, Jg. 1961, ist evangelischer Theologe, Publizist und Redakteur beim WDR, zudem
Mitglied der EKD-Synode.

21.02.2027

Denis Halft, Trier

Der schiitische Islam im Iran – Religion und Politik

Die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und am Persischen Golf
haben die Islamische Republik Iran erneut in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.
Regelmäßig wird das mehrheitlich zwölferschiitische Land von Massenprotesten und
deren Niederschlagung erschüttert. Der Vortrag blickt auf das theokratische System,
seine Geschichte und theologischen Voraussetzungen, den schiitischen Islam und
das Verhältnis zu religiösen und ethnischen Minderheiten. Es sollen Grundlinien
aufgezeigt werden, die bis heute in Politik und Gesellschaft wirksam sind.

Dr. Dennis Halft ist Dominikaner und verwaltet als Islamwissenschaftler und
Theologe an der Theologischen Fakultät Trier den Lehrstuhl für Abrahamitische
Religionen mit Schwerpunkt Islam und interreligiöser Dialog. Seit seinem Studium
der Iranistik, unter anderem in Teheran, befasst er sich intensiv mit der Geschichte
und Kultur Persiens. Er ist Mitglied des Institut dominicain d’études orientales in
Kairo und war Berater der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der
Deutschen Bischofskonferenz.

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