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  • Entwicklungen in Kirche, Staat und Gesellschaft kritisch aufzugreifen
Sonntagsmatineen stellen den Schwerpunkt des TQT dar; es sind öffentliche Vorträge und Diskussionen mit Expertinnen und Experten, die auch musikalisch begleitet werden. Unsere Absicht ist es, religiöse, theologische und gesellschaftspolitische Entwicklungen in Kirche, Staat und Gesellschaft kritisch aufzugreifen, um den öffentlichen Diskurs im Sinne einer Volksbildung zu fördern.
 
Zu einem "Politischen Gebet" lädt das TQT zweimal im Jahr ein. Wir sehen darin die Möglichkeit, Glaube und politisches Denken und Handeln in einem liturgischen Kontext miteinander zu verbinden.
 
 

14. März 2027

Dr. Annette Jantzen, Aachen

Die ignorierten Frauen der Bibel.

Ist die Bibel ein Männerbuch? Wer ihr im Gottesdienst begegnet, könnte das denken. Denn in der Kirche werden die biblischen Frauen größtenteils zu Randfiguren, wenn sie denn überhaupt vorkommen. Viele Frauengeschichten der Bibel finden nie oder nur stark gekürzt im Gottesdienst einen Platz. Das hat Folgen für die Wahrnehmung von Frauen in der Kirche.

Die Referentin beschäftigt sich mit allen Frauen der Bibel, deren Geschichten nicht oder nur eingeschränkt im Gottesdienst gelesen werden. Sie richtet den Scheinwerfer auf das, was ausgelassen wird und gibt den ignorierten Frauen der Bibel ihre Geschichten zurück und den Lesenden damit ein breiteres Spektrum an weiblichen Identifikationsfiguren.

Annette Jantzen, Jg. 1978, katholische Theologin, war im Bistum Aachen beschäftigt und ist heute freiberuflich als Autorin tätig. Sie betreibt den Blog www.gotteswort-weiblich.de

21. Februar 2027

Prof. Dr. Dennis Halft, OP, Trier

Der schiitische Islam im Iran – Religion und Politik

Die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und am Persischen Golf haben die Islamische Republik Iran erneut in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Regelmäßig wird das mehrheitlich zwölferschiitische Land von Massenprotesten und deren Niederschlagung erschüttert. Der Vortrag blickt auf das theokratische System, seine Geschichte und theologischen Voraussetzungen, den schiitischen Islam und das Verhältnis zu religiösen und ethnischen Minderheiten. Es sollen Grundlinien aufgezeigt werden, die bis heute in Politik und Gesellschaft wirksam sind.

 

Dr. Dennis Halft ist Dominikaner und verwaltet als Islamwissenschaftler und Theologe an der Theologischen Fakultät Trier den Lehrstuhl für Abrahamitische Religionen mit Schwerpunkt Islam und interreligiöser Dialog. Seit seinem Studium der Iranistik, unter anderem in Teheran, befasst er sich intensiv mit der Geschichte und Kultur Persiens. Er ist Mitglied des Institut dominicain d’études orientales in Kairo und war Berater der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz.

10. Januar 2027

Arnd Henze, Köln

„Mit Gott gegen die Demokratie“.

Über die unheilige Allianz von Macht und Religion

Im Bündnis mit dem US-Präsidenten hat sich der christliche Nationalismus zu einer globalen Bedrohung für Demokratie und Rechtsstaat radikalisiert. Seine Anhänger rufen „Christ is King!" und wollen Staat und Gesellschaft in eine Theokratie umwandeln. In Donald Trump sehen sie einen von Gott gesandten Rächer; dessen Kriegsminister inszeniert sich als „Christian Warrior".

Der Referent zeigt, wie Religion zum Machtinstrument werden kann. Er stellt zentrale Akteure vor, erklärt ihre Strategien, untersucht, wie sie sich global vernetzen, und fragt, welche Lehren aus der Vergangenheit heute weiterhelfen. Sein Ausblick bleibt hoffnungsvoll, denn wer die Mechanismen versteht, mit denen Religion zur politischen Waffe wird, kann sich wehren. Widerstehen ist möglich!

Arnd Henze, Jg. 1961, ist evangelischer Theologe, Publizist und Redakteur beim WDR, zudem Mitglied der EKD-Synode.

06. Dezember 2026

Jean Asselborn, Luxemburg

Die Welt 2026: „Europa, zeig dich selbstbewusst!“

Diesen Aufruf verkündete die Deutsche Bischofskonferenz vor dem Europatag 2026. Sie plädierte für ein wertegeleitetes Handeln der EU nach innen und außen. Ohne Werte sei keine Friedens-, Freiheits- und Demokratiepolitik möglich und auch nicht die Verteidigung des Völkerrechts. In der Realität werden jedoch andere Entwicklungen beobachtet: Großmächte (und auch viele kleinere Staaten) achten weder Werte noch Recht und Gesetz, weder nach außen noch nach innen. Tut Europa, tut die EU genug dagegen? Oder sind die Europäer dazu verdammt, wegen ihrer Abhängigkeit in wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht klein beizugeben? Welche derzeitigen und zukünftigen Perspektiven sieht ein Politiker mit jahrzehntelanger Erfahrung für Europa und die EU?

Jean Asselborn, Jg. 1949, war von 2004 bis 2013 Vize-Premierminister von Luxemburg sowie von 2004 bis 2023 Außenminister.

25. Oktober 2026

Pfarrer Joachim Lenz, Jerusalem

Erfahrungen aus dem Heiligen Land

Sechs Jahre in Jerusalem, in Israel und Palästina zu leben und zu arbeiten, zu predigen und zuzuhören, das verschafft einem Eindrücke, die man von Deutschland aus nicht erlangen kann. Es ist herausfordernd, zu sehen, was geschieht, und in der gebotenen Zurückhaltung eines Pfarrers und eines Deutschen zu agieren. 
Der Vortrag versucht, ein realistisches Bild der Lage vor und nach dem 7. Oktober 2023 wiederzugeben. Welche Rolle spielen auf israelischer und auf palästinensischer Seite die radikalen und gewalttätigen Kräfte? Und was können die Frieden-suchenden Menschen auf beiden Seiten bewirken? Wie stellt sich die Lage der christlichen Minderheiten in Israel und in den palästinensischen Gebieten dar? 
Der Referent wird aus seiner persönlichen Erfahrung auf solche Fragen eingehen.

Joachim Lenz, Jg. 1961, war Gemeindepfarrer an der Mosel und später beim Deutschen Evangelischen Kirchentag und dann bei der Berliner Stadtmission, bevor er im Jahr 2026 als Probst an die Evangelische Erlöserkirche in Jerusalem berufen wurde.

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